Ich kann kein Volk mir denken, das zerrißner wäre, wie die Deutschen. Handwerker siehst du, aber keine Menschen, Denker, aber keine Menschen, Priester, aber keine Menschen, Herrn und Knechte, junge und gesetzte Leute, aber keine Menschen - ist das nicht, wie ein Schlachtfeld, wo Hände und Arme und alle Glieder zerstückelt untereinanderliegen, indessen das vergoßne Lebensblut im Sande verrinnt? — Friedrich Hölderlin
“Wissen, was zwischen Menschen möglich ist - und nicht geschieht, macht traurig.” Kuno Bärenbold
Willie Nelson - He Was A Friend of Mine
Mein Freund Kuno ist tot. Über drei Jahrzehnte hinweg war er mein bester Freund. Als Mensch habe ich ihn im Knast kennen gelernt, als Freund und Psychologe habe ich ihn nach dem Gefängnis begleitet, und als Verleger habe ich in dieser Zeit fünf Bücher mit ihm realisiert. Es war einmal. Aber ein Märchen ist das nicht, es ist ein Alptraum: in nur drei Jahren hat der Heckenschütze Tod aus dem feigen Hinterhalt gleich sieben meiner Liebsten zielsicher ins Jenseits befördert.
blog-O-rama hat über 1.000 Abonnenten habe ich mich vor gut zwei Wochen hier noch gefreut. Danach begann wieder mal der Niedergang, wie ich ihn auch schon in Schweigen & Schreiben beschrieben habe, und wieder mal beherrschten Verzweiflung, Verfall & Verwesung mein “Leben” oder besser das, was davon noch übrig ist, nachdem Scharfschütze Tod es ins Visier nahm und die Menschen um mich herum wie Karnickel abknallte. Zweifel an allem, was ich mache und schaffe, Zweifel am Sinn des Leben, Verzweiflung über den übermächtigen Tod, der einfach alles wieder zunichte macht, was wir Menschen so mühsam aufbauen. Wozu noch irgendetwas tun, wenn doch alles dem Tod geweiht ist, wozu sich noch an irgendjemanden binden, wenn man sich doch von jedem wieder trennen muß? In nur achtzehn Monaten hat der Serienkiller Tod mir gleich sechs geliebte Menschen für immer entrissen.
Wir ordnen’s, es zerfällt. Wir ordnen’s wieder - und zerfallen selbst.
Rainer Maria Rilke
Den letzten Beitrag hier schrieb ich am 4. Oktober, also vor langen neun Wochen. Das hat seine schlechten Gründe: Tod, Tod, Tod, Tod und noch einmal Tod. Tod meiner Tante (sprich zweiter Mutter), Tod meines Vaters, Tod meiner Mutter, Tod meines Rechtsanwalts und Freundes Reiner, Tod meines Vetters Willi. Damit habe ich fünf Tote in nur einem einzigen Jahr begraben. Rein statistisch gesehen, möchte man meinen, ist das unmöglich. Aber wie Toyota und das Leben uns lehren: Nichts ist unmöglich.