Lesenswert : Netzgeschichten 4

In der Gesellschaft ist alles danach angetan, mich herunterzuziehen; in der Stille, mich zu steigern.
Nicolas Chamfort

Netzgeschichten 4

Wie Sie sicher schon gemerkt haben, lese ich sehr viel, höre Audiobooks, schaue mir gute Filme an, lausche toller Musik. Wo ich die Zeit hernehme? Ganz einfach: Von Facebook, Twitter & Co. Statt eines degenerierten digitalen Lifestyles pflege ich einen humanistisch anspruchsvollen Lebensstil. Und Sie?

Die Zahl des Tages : 88

It is now official. Scholars have analyzed the data and confirmed what we already knew in our hearts. Social media is making us miserable. We are all dimly aware that everybody else can’t possibly be as successful, rich, attractive, relaxed, intellectual and joyous as they appear to be on Facebook. Yet we can’t help comparing our inner lives with the curated lives of our friends.

Just how different is the real world from the world on social media? Americans spend about six times as much of their time cleaning dishes as they do golfing. But there are roughly twice as many tweets reporting golfing as there are tweets reporting doing the dishes.

Owners of luxury cars like BMWs and Mercedeses are about two and a half times as likely to announce their affiliation on Facebook as are owners of ordinary makes and models. In the United States, the desire to show off and exaggerate wealth is universal. Think of the aphorism quoted by members of Alcoholics Anonymous:

“Don’t compare your insides to other people’s outsides.”

Of course, this advice is difficult to follow. We never see other people’s insides. I have actually spent the past five years peeking into people’s insides. I have been studying aggregate Google search data. Google offers digital truth serum. The words we type there are more honest than the pictures we present on Facebook or Instagram. Sometimes the contrasts in different data sources are amusing. Consider how wives speak about their husbands.

On social media, the top descriptors to complete the phrase “My husband is …” are “the best,” “my best friend,” “amazing,” “the greatest” and “so cute.” On Google, one of the top five ways to complete that phrase is also “amazing.” So that checks out. The other four: “a jerk,” “annoying,” “gay” and “mean.”

Any time you are feeling down about your life after lurking on Facebook, go to Google and start typing stuff into the search box. – New York Times

Kinder und Jugendliche in Deutschland sind immer früher, immer länger und immer mobiler im Netz unterwegs. Meist sind die Eltern ahnungslos, was ihre Kinder mit dem Handy anfangen. Hier ist die Antwort. „Die meisten Jugendlichen gehen im Internet sorgsam mit persönlichen Informationen um. Dazu trägt auch die aktive Einflussnahme der Eltern bei“, resümiert auch Bitkom-Vizepräsident Achim Berg.

Inzwischen übernehmen Smartphones, Tablets und Computer häufig die Funktion des Fernsehers. Zwei von drei Kindern zwischen sechs und sieben Jahren schauen im Internet Filme, Serien und Videos. Jeder Dritte in dieser Gruppe spielt online. – WELT

Jeder zehnte deutsche Schüler wurde online schon gemobbt. Eine aktuelle Studie zeigt: Eltern, Lehrer und Schüler kennen zwar das Problem, aber zu selten Lösungswege. Laut Bündnis gegen Cybermobbing sind 14-Jährige am häufigsten betroffen, aber auch 7-Jährige machen schon Erfahrungen mit Cybermobbing. Jeder zehnte Lehrer sagt, er habe regelmäßig damit zu tun, jeder zweite Lehrer habe es schon einmal erlebt.

Etwa jedes dritte Opfer läuft Gefahr, langfristig unter den Folgen des Mobbings zu leiden, so das Bündnis gegen Cybermobbing. Manche Betroffene fangen an, regelmäßig Alkohol zu trinken oder Tabletten zu nehmen. Jeder fünfte Schüler hat über Suizid nachgedacht. Lehrer berichten von Angstzuständen, Leistungsabfall und Konzentrationsstörungen.

Doch warum ist Cybermobbing überhaupt so verbreitet? Laut Umfrage geben weniger Schüler als 2013 Spaß und Langeweile als Grund an. Dafür behaupten mehr, dass das Opfer es „verdient“ habe. Den Autoren zufolge wird Cybermobbing heute gezielter als 2013 eingesetzt, um andere fertig zu machen. In anderen Fällen können Mobber nicht einschätzen, wie viel Schmerz sie anderen bereiten. Sie sagen: „Ist doch nicht so schlimm, machen doch alle.“ZEIT

Wer an jeder Schüssel sich isset satt,
Dem hapert’s an Gaumen und Kehle.
Wer gar zu viele Freunde hat,
Ist kein Gourmand der Seele.
Rudolf Presber

Als Thefacebook am 4. Februar 2004 an den Start ging, saugten die Menschen noch abmahnfrei Filme und Musik per eMule, Nokia dominierte das Handygeschäft und Sascha Lobo hatte noch keinen roten Irokesenschnitt. Eigentlich eine ziemlich gute Zeit. Doch dann kam dem wuschelköpfigen Harvard-Studenten Zuckerberg und seinen vier Mitstreitern die Idee, ihre Lieblingsbeschäftigungen auf einer Website zu bündeln: Sex, Partys, abgedroschene Sartre-Zitate. Was man eben so macht als Student.

Doch das war nur der Anfang: Auf die Selbstporträts folgten die Party-, Urlaubs- und Babybilder. Heute sind wir dank Facebook mittendrin im Leben der anderen und finden es völlig normal:
Deine Schwiegermutter ist Facebook beigetreten – jefällt ma! Lieschen Müller hat zum fünften Mal ein Foto einer veganen Currywurst gepostet – jeht ab! Oversharing heißt der Begriff für das Teilen privater Details mit einer Öffentlichkeit, und nach einer aktuellen Umfrage geht es 36 Prozent aller Nutzer auf den Keks. Davon abhalten tut es trotzdem nur die Wenigsten. Wieso? Weil Facebook. – ZEIT

Facebook ist das Opium unserer Generation. Für einsame Menschen, die sich der Illusion hingeben, wichtig zu sein.
Frédéric Beigbeder

Der Mensch wird von immer mehr Informationen attackiert, die für ihn immer weniger Bedeutung haben.
Andrzej Majewski

Lange war Martin Weigert begeisterter Social-Media-Nutzer. 2016 verging ihm die Lust. Warum das Kapitel Social Networking für ihn in bisheriger Form beendet ist, erklärt seine Kolumne Weigerts World. Diese Maßnahmen sind das Ergebnis einer nüchternen Kosten-Nutzen-Kalkulation. Zehn Jahre lang überstieg in meinen Augen der wahrgenommene Nutzen von Social Media die Kosten. 2016 ging diese Rechnung nicht mehr auf. Plötzlich empfand ich die auf One-to-Many-Kommunikation ausgerichteten sozialen Netzwerke eher als Last denn als Segen. Nach einigen Monaten der Selbstbeobachtung war der Punkt gekommen, ein Kapitel zu schließen und dem ständigen Konsumieren von Social Feeds sowie dem eigenen, permanenten lauten Denken in 140 Zeichen den Rücken zu kehren.

Zeitverschwendung und Prokrastination: Erst wenn man aufgehört hat, am laufenden Band irgendwelches Zeug bei Twitter und Facebook zu posten und den eigenen Tagesablauf durch den andauernden Konsum der Beiträge anderer User in viele Kleinteile zu fragmentieren, merkt man, wie viel Zeit einem plötzlich zur Verfügung steht. Konzentriertes Arbeiten ist weitaus einfacher, wenn es einem nicht ständig in den Fingern zuckt, nur kurz den Feed zu checken.

Suchtaspekte und gefühlter Klickzwang: Bei jeder Fahrt in der Bahn oder im Bus kann man Smartphone-Anwender dabei beobachten, wie sie scheinbar willkürlich wiederholt Apps öffnen, ein bisschen herumscrollen, schließen, und sie kurz darauf wieder öffnen. Der Mensch als temporäre, willenlose Klickmaschine.  – t3n

Erst 2016 verging Martin Weigert die Lust an Social Media? 10 Jahre brauchte er um zu merken, daß er Essig statt Wein serviert bekam? Herzliches Beileid für 10 verschwendete Jahre und Hunderte vergeudete Stunden Lebenszeit! Facebook, Twitter & Co. waren für mich seit jeher die größten und stinkendsten Social-Media-Müllkippen aller Zeiten, auf denen jeder Troll ungestört und ungestraft seine private Befindlichkeit kundtun und seinen privaten Müll abladen kann. Weit unter meinem Niveau.

Jeder Tag ist ein Baustein
für die Ruine oder Kathedrale meines Lebens.
Rudi Lehnert

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Hosea Hargrove – I Love My Life

Netzgeschichten 4

Das Beste ist die tiefe Stille, in der ich gegen die Welt lebe und wachse und gewinne, was sie mir mit Feuer und Schwert nicht nehmen können. – Goethe

Herzlich : Lesenswert : Willkommen

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Autor: Rudi

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