Unendlichkeiten – Roman von John Banville

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Das austeilende Leben tut uns furchtbare,
aber auch wundervolle Dinge an.
John Banville

Was hier geschieht, ist schnell erzählt: der Vater liegt im Sterben und die Familie versammelt sich ums Totenbett. Soweit das Außen. Und was im Innern der Personen passiert, erzählt Banville mal laut und wortgewaltig, mal leise und poetisch. Ein Buch wie dieses habe ich bislang noch nicht gelesen. Sie wahrscheinlich auch nicht. Tun Sie’s!

Was tun die Götter, wenn sie sich in ihrem wolkenverhangenen Olymp mal wieder so richtig langweilen? Sie steigen zu den Menschen hinab und bringen die irdischen Verhältnisse so richtig zum Tanzen. Als Ich-Erzähler für seine virtuos komponierte Farce hat sich der irische Romancier den Zeussohn und Götterboten Hermes auserkoren. – Focus

Dem sprachgewaltigen, mit sinnlicher Prosa brillierenden Banville gelingen dichte psychologische Beschreibungen. Der Schabernack der Götter führt zu einer eigenen Leichtigkeit inmitten der Schwere existentieller Fragestellungen. Beispielsweise wenn die diffuse Angst geschildert wird, die den jungen Adam vor dem Scheitern seiner Ehe mit Helen umtreibt. Dann kommt es zu glänzenden Passagen, die in ihrer Präzision und dem bildhaften Entschweben eine Traumwelt zu schildern scheinen: „Wieder ergreift die Angst von ihm Besitz, dass seine Ehe scheitern könnte. Es gibt nichts Konkretes, nichts, worauf er zeigen könnte, so wie die große rote Hand dort drüben, die zeigt, wo es zu den Klosetts geht, er hat bloß im Verlauf des letzten Jahres gemerkt, dass sein Leben mit Helen immer unverbindlicher geworden ist, immer mehr an Substanz verloren hat. Mitunter schaut ihn Helen an, als würde sie nicht wissen, wer er ist. Dann spürt er, wie er unter ihren Blicken schrumpft, wie einer, dem man nachschaut aus dem Zugfenster und der zurückbleibt auf dem Bahnsteig, wenn der Zug sich in Bewegung setzt, erst langsam und dann immer schneller.“ – FAZ

Was von uns Menschen bleibt, nach unserem Gezappel, der Suche nach göttlicher Erleuchtung, durchkreuzt von Bangigkeit oder niedrigen Trieben? Fliegenschiss vielleicht. »As flies to wanton boys are we to th’ gods«, hat man ja bei Shakespeare gelernt, , einen Vers, der sich inmitten von King Lear wie ein Abgrund öffnet, man hatte hinuntergeschaut und bittere Verzweiflung gesehen, jaja, den Göttern sind wir, was Fliegen bösen Buben sind, sie töten uns zu ihrem Spaß… John Banville und sein Roman „Unendlichkeiten“ spielen mit Tod und Liebe und unterhalten mit Witz und Glanz. – ZEIT

Der große irische Fabulierer John Banville, 66, begeisterter Kleist-Bearbeiter und Träger des Prager Franz-Kafka-Literaturpreises 2011, hat mit seinem Roman „Unendlichkeiten“ (brillant übersetzt von Christa Schuenke) ein ordentlich wildes und wüstes Stück Literatur geschaffen, das doch anmutig auf den daunenleichten Wölkchen der Ironie schwebt. – Spiegel

John Banville

Religion und Familie
sind die beiden größten Feinde des Fortschritts.
André Gide

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Man kann auch zum Kopf einer Sardine beten,
wenn man fest daran glaubt.
Japanisch

Das Geniale an den alten Griechen war doch ein Denksystem zu entwickeln, das alle naturwissenschaftlichen und menschlichen Phänomene erklärte. Es gab für fast alles einen Gott. Und alles, was passierte, wurde durch einen Gott verursacht. Das ist eine wundervolle Erklärung für unsere Welt. Und die alten Griechen stellten einem nach dem Tod auch nichts in Aussicht. Das Jenseits war für sie nur ein dunstiger Platz der Halbexistenz, nichts Wertvolles. Wertvoll für sie war allein das Hier und Jetzt. Am Leben zu sein. Um sein Leben zu kämpfen, das machte den Ruhm des Menschen aus. Kein lächerliches Jenseits, wo wir jeden wiedertreffen, den wir mal gekannt haben. Der christliche Himmel muss inzwischen ja ziemlich überfüllt sein. Oder auch der Islam mit seinen versprochenen Jungfrauen. Für mich sind solche völlig weltfernen Jenseits-Vorstellungen entsetzlich. Wir sollten lieber den Pantheismus wieder einführen, finde ich. Das wäre viel gesünder. – John Banville

Und wenn Sie beim Schmökern gerne gute Musik hören, Bluesdiary hat den Soundtrack dazu.

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Johnny Cash – God’s Gonna Cut You Down

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Autor: Rudi

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