Schweigen & Schreiben
Jan 20th, 2008 by Rudi
Schweigen & Schreiben
Es ist zwei Wochen her, daß ich hier den letzten Beitrag Kamine & Krematorien veröffentlichte. Danach versank ich wieder mal in Schweigen. Trauer und Tränen versiegelten mir Lippen und Augen. Jedes Wort sinnlos, jede Tat sinnlos, weil ohnehin alles unaufhaltbar in den Abgrund des Todes driftet. Macht es da einen Unterschied, ob ich hier eines Satz schreibe oder ihn schweige? Der Allesfresser Tod frißt geschriebene wie geschwiegene Sätze, ist ihm einerlei, ihm schmeckt alles, selbst die letzten in Stein gemeißelten Worte nagt er letztlich aus unseren Grabsteinen. Und was bleibt dann noch von uns übrig? Absolut nichts.
Curtis Salgado - I Sleep With The TV On
“My house is so lonely now that you’re gone” trauert Chicago Al seiner Ex nach. Er hat wohl eine gute Frau verloren. Hat er sie verloren? Frauen können zurückkehren. Curtis Salgado und Chicago Al haben eine Frau verloren. Ich habe sechs geliebte Menschen verloren, und das in nur achtzehn Monaten, die definitiv nicht mehr zurückkehren. Es sei denn man glaubt an Auferstehung.
Wenn ich tot bin, mir soll mal einer mit Auferstehung oder so kommen: ich hau ihm eine rein! — Arno Schmidt
Der Auferstehungsquatsch ist was für Schwachsinnige, Starksinnige können damit nichts anfangen, sie vernebeln ihr Hirn nicht mit Illusionen, sondern stellen sich der bitteren Realität, daß auch der Mensch zerfleddert und zerfällt wie jede x-beliebige Ratte im Straßengraben. Und auch jene hirnlosen Quatschköpfe, die einem Trauernden ständig mit der Zumutung “Das Leben geht weiter” in die Quere kommen, können mir gestohlen bleiben. Da reißt eine Tretmine in Afghanistan einem Jungen beide Beine weg und das Leben geht weiter. Klar geht das Leben weiter, fragt sich nur wie. Es ist ja schließlich nicht einerlei, ob man mit zwei Beinen oder mit einem oder gar ohne Beine lebt. Und es auch nicht einerlei, ob man sechs geliebte Menschen um sich herum hat oder keinen mehr.
Essex Blues Band - Midnight Blues
Im 90-Tage-Takt hat mir der Serienkiller Tod sechs geliebte Menschen entrissen, die ich nie wiedersehen werde. Und ich habe nach wie vor keine Ahnung, wie ich aus diesem undurchdringlichen Nebel der Verzweiflung und Verwüstung wieder herausfinde.
Es fallen in diesen Monaten viele Werte der Vergangenheit, und es werden innere Gewohnheiten zerstört, an deren Stelle - ein außerordentliches Glück - für jetzt nichts tritt. Die Zukunft wird aus einem langen Schmerz und einem langen Schweigen kommen: die Entdeckung neuer Werte, eine neue Welt. — Cesare Pavese
Chicago Al - Midnight Hour (Lonely Time)
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Schweigen und schreiben, Leben und sterben, fühlen und begreifen, lieben - trauern und hassen, kämpfen und aufgeben, kämpfen gegen die Ohnmacht NICHTS ändern zu können, begreifen und aufgeben.
Suchen nach dem Sinn des Lebens, vor verschlossnen Türen des Wissens und begreifens stehen, Verzweiflung………….,
Mitleid und Selbstmitleid, einfach nur noch Selbstschutz…… oder sterben wollen.
Ich denke ich verstehe….. und achte und verneige mich vor diesen seltenen offenen Worten die man so nie hört, nur sich denkt…… und verzweifelt.
Wohl jenen die die Welt verstehen gelernt haben und sie dennoch ihr zum trotz lieben!
So heisst ein Zitat, ich kann es (noch) nicht, zu viel Gram, zu viel Hass, zu viel Unverständniss, viel zu viel Kälte die das Herz erfriert……..